Bonjour, Mellendorf! Französischer Lehrer hospitiert am GM

Jobshadowing mit vielen Eindrücken, offenen Türen – und perfektem Deutsch

Zu Beginn des zweiten Halbjahres ist das Gymnasium Mellendorf Gastgeber für einen besonderen Besucher: Rémy Victor (34), Lehrer für Deutsch als Fremdsprache am Pierre Weczerka-Collège in Chelles nahe Paris. Im Rahmen eines durch das Kultusministerium vermittelten Jobshadowings taucht er für knapp zwei Wochen intensiv in den deutschen Schulalltag ein. Victor unterrichtet in Frankreich Schüler der Klassen 6 bis 9 – und will nun ganz genau wissen, wie Schule in Deutschland „wirklich funktioniert“. „Ich wollte nicht nur einzelne Unterrichtsstunden sehen, sondern den Alltag erleben – aus der Perspektive der Lernenden und der Lehrkräfte“, erklärt er. Diese landeskundlichen Eindrücke möchte er später auch an seine Schüler weitergeben. Ein zweiter Schwerpunkt seines Aufenthalts liegt auf den Lehr- und Lernmethoden am Gymnasium Mellendorf. Besonders beeindruckt zeigt er sich vom Fokus auf Eigenständigkeit: „Ich habe den Eindruck, dass die Lehrkräfte hier sehr bewusst darauf achten, die Schüler zum selbstständigen Lernen zu führen“, so Victor. Die Freiräume seien klar strukturiert und gut an das Alter der Lernenden angepasst. Die Materialien und Ideen, die er während seiner Hospitation sammelt, will er im Anschluss mit den Deutschlehrkräften seines Schulbezirks teilen. Auch das Thema Inklusion beschäftigt den Gast aus Frankreich. Seine Beobachtungen fallen eindeutig aus: „Was ich bisher gesehen habe, ist deutlich weiter entwickelt als vieles von dem, was wir in Frankreich kennen“, sagt er offen. Besonders schätzt er dabei die Selbstverständlichkeit, mit der unterschiedliche Lernvoraussetzungen im Unterricht berücksichtigt werden. Dass er sich am Gymnasium Mellendorf schnell wohlfühlt, liegt nicht zuletzt an der herzlichen Aufnahme durch Kollegium, Schüler – und seiner Gastfamilie. Untergebracht ist Rémy Victor bei Bernadette Kuschel, Deutsch- und Religionslehrerin am GM. Nicht ohne Humor schildert sie ihre Erfahrungen: „Rémy ist nicht nur fachlich spannend, sondern auch menschlich eine echte Bereicherung. Man vergisst im Alltag schnell, dass Deutsch nicht seine Muttersprache ist – und seine Neugier steckt an.“ Diese Offenheit spürt auch Rémy Victor selbst: „Alle, ob Jugendliche oder Erwachsene, nehmen sich viel Zeit für meine Fragen. Das macht es sehr leicht, sich hier willkommen zu fühlen“, betont er. Das Jobshadowing am Gymnasium Mellendorf zeigt eindrucksvoll, wie gewinnbringend internationale Begegnungen im Schulalltag sein können – fachlich, pädagogisch und menschlich. Und ganz nebenbei beweist es, dass Austauschprogramme nicht nur Horizonte erweitern, sondern bereichert das Schulleben auch auf zwischenmenschlicher Ebene.

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