Erdkunde-Leistungskurs erkundet Hannovers Stadtentwicklung
Wie entsteht eigentlich ein neues Stadtviertel? Wer entscheidet darüber, wie eine Stadt wächst? Und warum kostet der Cappuccino in manchen Vierteln plötzlich einen Euro mehr? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigte sich der Erdkunde-Leistungskurs des Gymnasiums Mellendorf bei einer Exkursion nach Hannover. Nachdem im Unterricht bereits Stadtentwicklungsprozesse am Beispiel der USA untersucht worden waren, ging es nun vor die eigene Haustür – genauer gesagt in die Wasserstadt Limmer und nach Linden-Nord. Denn auch direkt vor den Toren der Wedemark lässt sich beobachten, wie Städte wachsen, sich verändern und manchmal auch kontrovers diskutiert werden.

In der Wasserstadt Limmer führte Stadtplanerin Svea Schumacher von der Landeshauptstadt Hannover die Schülerinnen und Schüler durch das neue Quartier. Besonders spannend war dabei, dass der erste Bauabschnitt bereits nahezu abgeschlossen ist, während der zweite noch auf seine Umsetzung wartet. So konnte der Kurs Stadtentwicklung quasi in Echtzeit erleben und nachvollziehen, welche Erfahrungen aus dem ersten Bauabschnitt in die weiteren Planungen einfließen. Dass Stadtplanung selten geradlinig verläuft, wurde ebenfalls deutlich. Neben Stadtverwaltung und Investoren spielen auch Bürgerinitiativen eine wichtige Rolle. Zufällig schloss sich sogar ein ehemaliger Vertreter des Bezirksrats und einer Bürgerinitiative der Gruppe an und berichtete aus erster Hand von den Diskussionen rund um das Quartier. Dabei ging es unter anderem um die Erinnerung an das ehemalige KZ-Außenlager der Continental AG und die Errichtung eines Denkmals für die dort eingesetzten Zwangsarbeiterinnen – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Stadtentwicklung weit mehr ist als nur Neubauten. Anschließend wechselte der Kurs nach Linden-Nord. Mit geographischem Blick untersuchten die Schüler die Limmerstraße und gingen der Frage nach, wie weit der Prozess der Gentrifizierung bereits fortgeschritten ist. Mithilfe von Kartierungen, Spurensuchen und spontanen Interviews mit Anwohnerinnen und Anwohnern analysierten sie die Wohn- und Geschäftsstruktur des Viertels. Dabei zeigte sich ein differenziertes Bild: Moderne Cafés und höherpreisige Geschäfte sind längst Teil des Straßenbildes, gleichzeitig prägen traditionelle Kioske, das Apollo-Kino und eine vielfältige Bewohnerschaft weiterhin den Charakter des Stadtteils. Die Gespräche machten deutlich, dass Linden-Nord von vielen Menschen noch immer als bunt und lebendig wahrgenommen wird. „Erdkunde wird besonders spannend, wenn Schüler erleben, dass sich die Themen aus dem Unterricht direkt vor ihrer Haustür wiederfinden. Stadtentwicklung ist kein abstrakter Prozess, sondern betrifft unseren Alltag und zeigt, wie unterschiedlich wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Interessen miteinander ausgehandelt werden“, erklärt Erdkundelehrerin und Fachobfrau Isabell Haselbacher. Am Ende der Exkursion stand deshalb nicht nur die Erkenntnis, dass hinter jedem Straßenzug zahlreiche Planungsprozesse stecken, sondern auch, dass Städte ständig im Wandel sind. Oder anders gesagt: Wer künftig durch Hannover spaziert, sieht vielleicht nicht mehr nur Häuser und Straßen – sondern jede Menge spannende Geographie.

















